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Eine Legende über den Ebnisee
Der Verfasser ist uns leider unbekannt.
Vor ein paar hundert Jahren fuhr ein Fischer mit seinem Boot auf den See, um in dem fischreichen Wasser sein Mittagessen zu fischen. Irgendetwas musste ihn wohl aus der Ruhe gebracht haben und durch eine unvorsichtige Bewegung fiel ihm seine einzige Pfeife ins Wasser. Da die Pfeife auch noch ein Geschenk seiner Frau war, blieb ihm keine andere Wahl. Kopfüber sprang er ins Wasser, das an dieser Stelle nicht sehr tief war, um nach seiner Pfeife zu tauchen. Aber er fand keinen Grund. Es zog ihn immer weiter hinab, so dass er beinahe keine Luft mehr bekam. Der Fischer glaubte schon, er würde im Ebnisee ertrinken, doch da wurde es plötzlich ganz hell und atmen konnte er auch wieder. Aber er war nicht mehr im See sondern in einem großen Saal. Mitten im Raum stand ein Tisch, auf dem er seine Pfeife sah. Erleichtert schritt er auf den Tisch zu und gerade als er nach ihr greifen wollte, zupfte ihn etwas an der Jacke. Erschrocken drehte sich der Fischer um und stand einer furchterregenden Kreatur gegenüber. Zitternd wie Espenlaub, registrierte der Fischer auf die Schnelle nur zwei Beine, einen schuppigen Körper und auf dem Hals prangte ein Fischkopf. Das Wesen stellte sich als der „Herr des Sees“ vor, dem alles gehört, was ins Wasser fällt. Um frei zu kommen, musste der Fischer einen Deal eingehen. Er musste dem Herrn des Sees versprechen, ihm seinen erstgeborenen Sohn zu überlassen. Wäre der Fischer nicht darauf eingegangen, hätten er und seine Pfeife für immer bei dem Seewesen bleiben müssen.
Einige Zeit später gebar die Frau des Fischers einen Sohn. Schweren Herzens wickelte der Fischer das Kind in eine warme Decke und ging damit zum See. Nach kurzer Zeit fing das Wasser an, wild und zischend zu sprudeln und teilte sich in zwei Hälften. Der Herr des Sees trat hervor, um das Kind abzuholen. Doch als er sah, wie sehr der Fischer seinen Sohn festhielt, wie schwer es ihm ums Herz war und wie sehr er um das Leben des Kindes bangte, hatte das Seewesen Mitleid mit dem ehrlichen Fischer. Offensichtlich gefiel es dem Herrn des Sees, dass der Fischer sein Versprechen wirklich eingelöst hatte, dass er Gnade walten ließ und die Familie des Fischers verschonte. Überglücklich ging der Fischer mit seinem Kind im Arm nach Hause und erzählte es gleich seiner Frau.
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